Radoslava
Goes
West

Radoslava Palukova, Architektin in Zürich, Legende in München. Sie kommt aus Sofia und zog dann für einige Jahre an die Isar. Ein Track in den Westen?

Radoslava, welche Rolle haben Erzählungen von Cowboys und Indianern in Deiner Jugend gespielt?

Mit Cowboys und Indianern habe ich als Kind eher weniger zu tun gehabt. Vielleicht weil ich ein Mädchen bin, oder vielleicht weil das damals in Bulgarien nicht wirklich präsent war. Ich kann mich aber gut an die ersten Marlboro-Werbungen in den 90ies im bulgarischen Fernsehen erinnern. Das fand ich natürlich sehr cool, aber auch sehr weit weg. Ich glaube, das war das erste Mal, dass ich einen Cowboy im Fernsehen gesehen habe.

Der Westen ist ein Klischee. Welche Rolle hat es für Dich gespielt, bevor Du nach München gekommen bist?

Der Westen ist ein Klischee. Das stimmt. Ich habe aber immer zwischen dem englischsprachigen Westen und Deutschland unterschieden. Das Bild vom Deutschland war genauso klischeebeladen, aber mit anderen Klischees als die von der USA, zum Beispiel. Ich weiß nicht, ob Du das verstehst. Unter dem Begriff ‚der Westen’ habe ich intuitiv eher an die USA gedacht. 

Wenn München schon nicht DER Westen war, war es dann wenigstens wild?

Naja, eigentlich nicht.

Nicht einmal ein einziger Wild-West-Moment?

München war immer der gepflegte, geordnete Westen. Bulgarien dagegen hat für mich viel mit dem Wilden Westen zu tun. Mafiagangs, Schießereien, fette Autos, die keine Verkehrsregeln beachten, korrupte Polizisten, eine wildere und unbesiedelte Landschaft. Der Wilde Westen liegt für mich eher im Südosten auf den Balkan. München ist alles andere als wild, aber das muss es auch nicht sein, um interessant zu sein.

 

Interview: Jonas König

Aus der Serie "No City for Old Men"